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GenBaumwolle

Presse Information vom 25. November 2008
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Gen-Baumwolle: Kritik an EU-Zulassung

Lebensgrundlage von Millionen Landwirten bedroht / Gesundheitsrisiken befürchtet

Anfang des Monats hat die EU eine Importgenehmigung für gentechnisch veränderte Baumwolle erteilt. Die von BAYER CropScience angebotene Sorte LLCotton25 ist resistent gegen das ebenfalls von BAYER hergestellte Herbizid Liberty Link. Die Zulassung gilt für den Bereich Nahrungs- und Futtermittel.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) und das African Centre for Biosafety kritisieren die Strategie des Unternehmens: „BAYER ist weltweit der zweitgrößte Hersteller von Baumwoll-Saatgut und drängt auf immer mehr Märkte. Vor allem für die kleinen Baumwoll-Produzenten in der "Dritten Welt" hat das fatale Folgen“, so Jan Pehrke von der CBG. Auch in Südafrika stößt das Engagement des Konzerns auf massive Kritik, weil Risiken und Nebenwirkungen hier nicht nur auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt, sondern zusätzlich auf den einheimischen Agrarsektor zuzukommen drohen. „Wir lehnen BAYERs Antrag vehement ab", erklärt das African Centre for Biosafety, „nach einer Bewilligung werden große Mengen subventionierter und daher billiger Gen-Baumwolle auf den südafrikanischen Markt drängen. Das wird die Lebensgrundlage von Millionen Afrikanern in der Region zerstören." Die US-Regierung unterstützt ihre Baumwollfarmer jährlich mit 3,9 Milliarden Dollar - fast die Hälfte des Bruttoinlandprodukts von Sambia - und verschafft ihnen damit immense Wettbewerbsvorteile.

In Südafrika hat BAYER nicht nur einen Importantrag für LLCotton gestellt. Der Konzern will das Land zusätzlich als Versuchsfeld für weitere Gen-Baumwollarten nutzen, wobei die geringeren Auflagen für die Tests als Standortvorteil gelockt haben dürften. Dabei will BAYER erstmals Baumwoll-Sorten testen, die Frucht eines mit MONSANTO vereinbarten Technologie-Austauschprogramms sind und Resistenzen gegen mehrere Pestizide besitzen. Weder die Auskreuzungsgefahr oder die Auswirkungen auf die Artenvielfalt noch Tests zur Stabilität der vererbten Eigenschaften oder zu den möglichen Langzeitfolgen zählen jedoch zum Untersuchungsprogramm.

Hinzu kommen Risiken für die menschliche Gesundheit. Der Mensch kommt mit gentechnisch manipulierter Baumwolle nämlich nicht nur rein äußerlich durch Kleidungsstücke in Berührung, die Laborfrüchte finden auch den Weg nach innen - entweder als Öle oder über den Umweg "Tiernahrung". Besonders der im Vergleich zu konventionellen Arten höhere Gossypol-Gehalt von gentechnisch manipulierter Baumwolle stellt dabei ein Gefährdungspotenzial dar. 0,5 Prozent beträgt der Anteil dieser giftigen chemischen Verbindung bei BAYERs LL25-Sorte und liegt damit beträchtlich über dem für Tierfutter noch als unbedenklich geltenden Wert von 0,05 Prozent. Überschreitet die Nahrung dieses Limit, so steigt für das Vieh die Gefahr, Durchfall, Atemschwierigkeiten oder Schwächeanfälle zu bekommen. Sogar Fälle von Unfruchtbarkeit, Herzinfarkte, Leberschäden und Todesfälle wurden beobachtet. Das aus Baumwolle gewonnene Öl, 50 Prozent der US-amerikanischen Ernte landet in dieser Wertschöpfungskette, muss wegen dieser Gefahren extra durch Raffinierungsverfahren vom Gossypol befreit werden.

Das Geschäft mit der "grünen Gentechnik" beschränkt sich weitgehend auf Mais, Raps, Soja, Reis und Baumwolle. BAYER hat all diese Bereiche im Angebot, baut aber besonders das Segment mit gentechnisch manipulierter Baumwolle aus, denn dieses verspricht die höchsten Wachstumsraten. Im Bereich Baumwolle ist BAYER weltweit zweitgrößter Anbieter. Der Konzern hat eine Anbau-Zusage aus Kanada erhalten und Anträge auf Import-Genehmigungen in Europa, Indien, Australien und Südafrika gestellt.

Den Praxistest haben bisher aber weder Bt-Baumwolle noch die gegen Herbizide resistenten Produktreihen bestanden. Entgegen den Versprechungen von BAYER und MONSANTO haben sich mit Gentech-Saaten die Erträge nicht steigern können. In Indien verlor nach und nach ein Viertel der Bt-Baumwolle ihre giftige Wirkung. Deshalb mussten die Landwirte auf dem Subkontinent mit zusätzlichen Pestiziden arbeiten. Diese Mehrausgaben, verbunden mit den hohen Anschaffungskosten für die Gen-Saaten, den mageren Ernten und den fallenden Weltmarktpreisen führten zu einer so desaströsen Einnahme-Situation, dass Indien von einer wahren Suizid-Welle unter Baumwoll-Pflanzern heimgesucht wird.

Das African Centre for Biosafety kommt zu einem vernichtenden Urteil: "Wir lehnen diese Anwendungen ab, welche die Integration unseres Agrarsystems in die kapitalistische Ökonomie vorantreiben und Kleinbauern im Regen stehen lassen. Zudem stellen diese Pflanzen ein Risiko für Mensch und Umwelt dar".

Wachsende Risiken: Gentech-Baumwolle von BAYER