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Hormonspirale

Presse Information vom 16. September 2010
Coordination gegen BAYER-Gefahren

USA: „Tupper-Partys“ für Hormonspirale Mirena verboten

BAYER-Kampagne bagatellisiert die Risiken / Mehr als Hälfte der Frauen bricht Anwendung vorzeitig ab / 1700 Unterschriften für Petition

Mehr als 1700 Frauen unterstützen eine Petition, in der die Veröffentlichung aller Risiken der Hormonspirale Mirena gefordert wird. In dem an die US-Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration (FDA) gerichteten Schreiben wird kritisiert, dass der Beipackzettel des von der Firma BAYER vertriebenen Produkts nur einen geringen Teil der Nebenwirkungen nennt. Die detaillierteren Angaben in den Informationen für Ärzte würden den Patientinnen meist nicht zur Kenntnis gebracht. Die mangelhaften Hinweise führten nach Aussage der Initiatorinnen der Petition dazu, dass Tausende Frauen falsch behandelt werden und die Ursachen ihrer Beschwerden jahrelang unentdeckt bleiben.

Mehr als jede zehnte Anwenderin von Mirena leidet unter schweren Nebenwirkungen, u.a. Depressionen, Zyklusstörungen, Gewichtszunahme, Eierstockzysten, Unterleibsschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Akne, Hautkrankheiten und Kopfschmerzen. Zudem besteht der Verdacht auf Erhöhung des Brustkrebsrisikos.

Derweil hat die Food and Drug Administration eine Mirena-Werbekampagne nach dem Muster von „Tupper-Partys“ untersagt. In dem Verbot der FDA heißt es, dass das Marketing von BAYER „die Wirksamkeit übertrieben darstellt, unbegründete Behauptungen aufstellt und die Risiken von Mirena bagatellisiert“. Im Rahmen der Kampagne sollten Promotion-Teams von BAYER in Privatveranstaltungen auftreten. Um Frauen für diese „Partys“ zu gewinnen, hatte BAYER einen Werbevertrag mit dem online-Portal MomCentral geschlossen.

In den von der FDA veröffentlichten internen Handlungsanweisungen für die Werbeteams finden sich Fragen an die Teilnehmerinnen wie „Wie würden Sie sich charakterisieren: heiß, sexy und spontan, oder zu müde für eine intime Beziehung?“ oder „viel beschäftigten Paaren empfehle ich eine Verhütungsmethode, an die Sie nicht jeden Tag denken müssen, so wie die Spirale Mirena“. Nach Aussage der FDA lässt sich das Werbeversprechen, wonach die Verwendung von Mirena zu einem befriedigenden Sexualleben führt, nicht belegen – im Gegenteil: mehr als 5% aller Anwenderinnen klagen über Verlust ihrer Libido. Die Aussage von BAYER, wonach sich Mirena-Benutzerinnen „großartig fühlen“, verharmlose die häufigen Nebenwirkungen. Thomas Adams von der FDA: „Dies war für uns extrem Besorgnis erregend, da dieses Produkt hohe Risiken trägt – unter anderem Infektionsgefahr und Verlust der Fruchtbarkeit.“

Jan Pehrke von der //Coordination gegen BAYER-Gefahren//: „Tupper-Partys für risikoreiche Hormonpräparate sind ein neuer Tiefpunkt des BAYER-Marketings. Der Fall zeigt einmal mehr, wie gefährlich eine ausschließlich an Profitmaximierung orientierte Pharmaproduktion ist - schließlich verschweigt auch die unseriöse Werbung für die Antibaby-Pille Yasmin die höheren Risiken gegenüber älteren Präparaten. Die Aufsichtsbehörden müssen endlich ihren Respekt vor BAYER und Co. ablegen und Medikamente mit erhöhtem Gefahrenpotential verbieten.“

Eine im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift Gynecological Endocrinology veröffentlichte Studie zeigt, dass bis zu 60% aller MIRENA-Benutzerinnen die Anwendung vorzeitig abbrechen. Häufigster Grund sind die – oft schweren - Nebenwirkungen. Der Autor der Studie, der britische Frauenarzt Dr. Ayman A. Ewies, fordert alle Gynäkologen auf, Frauen rechtzeitig auf die Risiken hinzuweisen, da dies von BAYER nicht gewährleistet wird. „Die jüngsten Bedenken gegen MIRENA sollten allen Frauen zugänglich gemacht werden – unabhängig vom Marketing-Druck des Herstellers“, so Dr. Ewies. Nach Aussage des Gynäkologen müsse man sich von der Vorstellung verabschieden, dass Spiralen wie MIRENA nur lokal wirken: im Blutserum der Probandinnen fanden sich vergleichbare Hormonkonzentrationen wie bei Nutzerinnen der Antibaby-Pille.

Hier finden Sie die in der Zeitschrift Gynecological Endocrinology veröffentlichte Studie sowie einen Erfahrungsbericht

weitere Informationen:
· Das FDA-Verbot sowie das Promotion-Material für Mirena (engl)
· Der Wortlaut der Petition
. website Risiko Hormonspirale
· Artikel „Pharmamarketing von BAYER“
· Tödliche Nebenwirkungen der Antibabypille Yasmin