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Hauptversammlung 2014

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mein Name ist Jan Pehrke. Ich bin Journalist, gehöre dem Vorstand der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN an und möchte heute zum Thema „Energiewende bei BAYER“ sprechen.

Vor etwas mehr als drei Jahren ereignete sich die Atom-Katastrophe von Fukushima. Es kam zu mehreren Kernschmelzen, und große Menge radioaktiven Materials traten – und treten noch immer – aus. Über 100.000 Anwohner mussten die Region verlassen, und die Schäden für Mensch, Tier und Umwelt sind heute noch gar nicht absehbar. Die Bundesregierung beschloss deshalb unmittelbar nach dem GAU, aus dieser Risiko-Technologie auszusteigen und die Energiewende voranzutreiben.

BAYER allerdings hintertreibt diese Energiewende nach Kräften. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Dekkers klagte:

„Deutschland hat mit der Energiewende einen radikalen Wandel eingeleitet. Die Folgen sind erhebliche Wettbewerbsnachteile für die energie-intensiven Industrien.“

und der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning hielt fest:

„Die Energiewende ist der größte Einschnitt in die Wertschöpfung der deutschen Industrie, den es je gegeben hat“.

Er sprach sogar von einem „Alptraum“, und da muss man wohl einen Moment inne halten: Nicht Fukushima selber ist für BAYER ein Alptraum, sondern die Reaktion der Politik darauf.

BAYER hat sich bisher noch gegen jede umweltpolitische Maßnahme gewehrt – sei es die ökologische Steuerreform, das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder die Einführung des Emissionshandels. Und die Energiewende bekämpft der Konzern vor allem wegen der angeblichen Auswirkungen auf die Strompreise. Aber dabei handelt es sich um pure Panikmache. Die Energiepreise bewegen sich in Deutschland auf dem Niveau von 2005. Die Außenhandelsagentur des Bundes, Germany Trade & Invest konstatiert deshalb trocken:

„Die Industriestrompreise liegen aufgrund von Abgaben-Befreiungen insbesondere im Bereich sehr großer Abnahme-Mengen unterhalb des EU-Durchschnitts“

Dementsprechend beklagen sich Unternehmen in den Nachbarländern Frankreich und Holland schon über die Wettbewerbsnachteile, die ihnen durch die niedrigen deutschen Strompreise für energie-intensive Industrien entstehen.

Und BAYER selbst weiß im Grunde auch, was es an dem Standort hat. So stellt BAYER MATERIAL SCIENCE aktuell seine Kunststoff-Produktion im italienischen Nera Montoro zur Disposition, weil die Stromrechnung im Vergleich zum Standort Frankfurt dort zu hoch ist. In Frankfurt kostet die Energie nämlich nur 12 Cent pro Produktionseinheit, während sie in Nera Montoro mit 16 Cent zu Buche schlägt.

Die weitgehende Befreiung von der Ökosteuer-Umlage ermöglicht solch traumhafte Konditionen. Während Normalhaushalte über 6 Cent pro Kilowatt-Stunde aufbringen müssen, zahlt BAYER nur einen Bruchteil davon. Im Geschäftsjahr 2012 erbrachte das eine Ersparnis von 172 Millionen Euro. Ganz zurecht stufte die EU das als unerlaubte Subvention ein und kündigte eine Abschaffung an. Da war für BAYER mal wieder Weltuntergang angesagt. Der Konzern setzte BAYER alle Lobby-Hebel in Bewegung und drohte mit Abwanderung. Und die Einflussnahme hatte Erfolg. Beim Firmenjubiläum im letzten Jahr versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel, sich in Brüssel für die BAYER-Belange einzusetzen. Und in diesem Jahr vollendete Sigmar Gabriel ihr Werk, indem er Druck auf den EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia ausübte. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb, ist Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia in „beinahe jeder Hinsicht auf die deutschen Wünsche eingegangen“.

Die Öko-Umlage auf selbst produzierten Strom, die die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz ursprünglich vorgesehen hatte, konnte BAYER dann ebenfalls abwenden.

So verweigert sich der Konzern der solidarischen Finanzierung der Energiewende. BAYER lehnt es offensichtlich ab, Produktionsprozesse umweltschonender zu gestalten. Die Ergebnisse dieser Blockade-Haltung sind im Geschäftsbericht nachzulesen. 2012 hat BAYER mehr klimaschädigendes Kohlendioxid ausgestoßen als 2011; auf sage und schreibe 8,36 Millionen Tonnen beläuft sich der Wert. Damit liegt BAYER im Trend. Weltweit sind die CO2-Emissionen 2013 um rund zwei Prozent gestiegen. Der jüngst erschienene Klimabericht der Vereinten Nationen hat deshalb Alarm geschlagen und zu unverzüglichem Handeln aufgefordert. Deshalb möchte ich hier fragen:

Will BAYER handeln und in den nächsten Jahren den CO2-Ausstoß spürbar senken oder werden die Werte auf dem jetzigen Niveau verharren?

Weil sich bei den absoluten Zahlen seit Jahren kaum etwas tut, hat BAYER immer darauf verwiesen, dass die spezifischen Treibhausgas-Emissionen gesunken seien – also die Emissionen pro Tonne Verkaufsprodukt. Aber 2013 ist auch dieser Wert angestiegen. Darum möchte ich wissen:

Wie ist das zu erklären?

Beim Energie-Mix tut sich ebenfalls nichts. Seit Jahren beläuft sich beim selbst erzeugten Strom der Anteil der besonders klima-schädigenden Kohle daran auf rund ein Drittel. Deshalb auch hier meine Frage:

Beabsichtigt BAYER diesen Anteil auch zukünftig beizubehalten oder ist eine Reduzierung geplant?

Bei dem Strom, den BAYER zukauft, fehlen genauere Angaben über die Erzeugungsart. Darum möchte ich wissen:

Wie hoch ist bei der zugekauften Energie der Kohle-Anteil?

Bei der Kohle kommt zu ihren schädlichen Klima-Effekten noch erschwerend hinzu, dass BAYER einen Großteil davon importiert. Und die Gewinnung dieser Kohle erfolgt unter verherrenden sozialen und ökologischen Bedingungen. In den USA sprengen die Förder-Unternehmen ganze Bergkuppen weg, um an den Bodenschatz zu kommen. Und in Südamerika vertreiben die Unternehmen die indigene Bevölkerung, um die Vorkommen erschließen zu können, manchmal sogar mit Hilfe von Paramilitärs. Beim Abbau selber sind dann die Arbeiter, vor allem durch den Staub, einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Besonders schlimm sind die Verhältnisse in Kolumbien. Letztes Jahr gab BAYER an, 40.000 Tonnen Kohle daher zu beziehen. Nun möchte ich fragen:

Wie viel Kohle hat BAYER im letzten Jahr aus Kolumbien bezogen?

Ursprünglich wollte BAYER sogar noch neue Kohlekraftwerke bauen. Nur durch massiven Protest war der Konzern in Krefeld dazu zu bewegen, von diesen Plänen Abstand zu nehmen. Er kündigte an, stattdessen dort ein Gaskraftwerk zu errichten. Nun hat BAYER diese Pläne jedoch vorerst wieder auf Eis gelegt.

Und wie sieht bei dieser Frage der aktuelle Stand aus?

Noch bei einem anderen Bestandteil des Energiemixes tut sich seit Jahren nichts, bei den Regenerativen Energien. Ihr Anteil beträgt nach wie vor 0,7 Prozent. Darum auch hier meine Frage:

Beabsichtigt BAYER diesen Anteil in den nächsten Jahren zu erhöhen?

All diese Zahlen hat BAYER in diesem Jahr zum ersten Mal direkt im Geschäftsbericht veröffentlicht und nicht mehr in einen Umweltbericht wie in eine Bad Bank ausgegliedert. Bei der Bilanzpresse-Konferenz zeigte sich Dr. Dekkers stolz über die Integration und führte weiter aus:

Wir bei Bayer haben schon sehr früh erkannt, dass wir auf Dauer nur erfolgreich sein können, wenn wir wirtschaftliches Wachstum mit ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung in Einklang halten.

Aber all das ist bei BAYER alles andere als im Einklang. BAYERs Energiepolitik steht zentralen ökologischen Erfordernissen diametral entgegen. Deshalb möchte ich die Aktionäre auffordern, Verstand und Aufsichtsrat für diesen Kurs die Zustimmung zu verweigern und stattdessen mit der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN zu stimmen.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!