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Bolivien

Presseerklärung vom 17. März 2005

Bolivien: Sieben Menschen sterben an Pestizidvergiftung

Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert Verkaufs-Stopp

In der bolivianischen Stadt Achacachi starben Ende Februar sieben Menschen an einer Vergiftung mit dem Pestizid Asuntol Fuerte, in der Mehrzahl Kinder. Zwölf weitere Personen erlitten schwere Vergiftungen und mussten notärztlich behandelt werden. Das Agrogift hatte sich in einer Suppe, die bei einem Trauermahl eingenommen wurde, befunden. Wie die in La Paz erscheinende Tageszeitung La Prensa berichtet, haben die Polizei-Ermittlungen noch nicht ergeben, ob es sich um einen Unglücksfall oder um vorsätzliche Vergiftung handelt.

Der in Asuntol Fuerte enthaltene Wirkstoff Coumaphos gehört zur Klasse der Organophosphate. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO wird Coumaphos in der Gefahrenklasse Ib (hoch gefährlich) eingestuft. Hersteller des Insektizids ist die deutsche Firma BAYER CROPSCIENCE.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert einen Verkaufs-Stopp aller Organophosphate: "Es ist unerheblich, ob es sich im vorliegenden Fall um einen Unglücksfall oder um ein Verbrechen handelt. Organophosphate sind tödliche Gifte. Wo immer diese in den freien Handel kommen, treten Vergiftungen und Todesfälle auf - gerade in Ländern mit hoher Analphabetenrate. Das Lamento der Produzenten, für die Folgen des Pestizideinsatzes wären allein die Anwender verantwortlich, erinnert an die zynischen Ausflüchte der Waffen-Industrie". Annick Dollacker von BAYER CROPSCIENCE hatte kürzlich auf die Fragen einer TV-Journalistin bezüglich tödlicher Vergiftungen durch BAYER-Pestizide geäußert: "Tja, wie gesagt, irgendwo liegt die Verantwortung auch bei dem Anwender selbst" und "Wenn Sie Bestände haben, dann müssen sie die verkaufen". Philipp Mimkes erinnert daran, dass BAYER bereits im Jahr 1995 versprochen hatte, alle Wirkstoffe der Gefahrenklasse I vom Markt zu nehmen, diese Ankündigung bis heute jedoch nicht umgesetzt hat.

Der BAYER-Konzern ist weltweit größter Produzent von Agrogiften. Im Sortiment des Konzerns befinden sich zahlreiche hochgefährliche Wirkstoffe, darunter mehrere Organophosphate der WHO-Gefahrenklasse I. Organophosphate schädigen die Nervenfunktion, was zu Bewusstlosigkeit, Krämpfen, Atemstillstand und dem Tod führen kann. Nach Schätzung der WHO sterben jährlich bis zu 200.000 Menschen an Pestizid-Vergiftungen, hauptsächlich in Entwicklungsländern. Im peruanischen Tauccamarca starben 1999 mehr als zwanzig Kinder nach einer irrtümlichen Einnahme eines BAYER-Pestizids.